Zurück nach Freiburg (Sonntag, 9.5.2010)
Zum ersten mal in diesen Tagen schien die Sonne über Mittenwald, als Daniel und Lugi mit dem Miebus nach Murnau aufbrachen um Michi abzuholen. Von dort aus ging's weiter nach Freiburg. Kurz nach dem "Baden-Württemberg"-Schild fing es bezeichnenderweise sofort an zu regnen. Nach Ausladen der Technik und Absetzen von Michi in Offenburg meinte Daniel, auf der KaJo in Freiburg noch eine (zugegeben gläserne) Telefonzelle rammen zu müssen – was er nur durch das laute Rufen eines Passanten unterließ. Maxi und Lena kommen morgen mit dem Zug nach Freiburg – 19h ist wieder Probe ;-)
Um ein Fazit zu ziehen, muss man sagen, dass es in jedem Fall enorm viel Spaß gemacht hat, so unterwegs zu sein: nicht nur zu dritt, sondern mit einer großen Philadelphia-Familie mit Mischer, Manager und Gastmusikern, um große verstärkte Konzerte spielen zu können. Auf der anderen Seite ist es natürlich viel mehr Aufwand mit so viel Leuten und der Technik, als „nur“ mit unserer simplen Straßenmusik durch die Lande zu ziehen. Auf die Dauer würde uns das ständige Erst-nach-2-Uhr-Nachts-ins-Bett-kommen wohl ziemlich zu Schaffen machen. Aber das war's wert: die Konzerte waren proppevoll, die Tour war kein Verlust, die Leute kauften CD's, sehnen schon die neue CD herbei und sagten, wir sollen wieder kommen... was will man eigentlich mehr?
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Deutschland-Holland-Tour 2009
8.8.2009 bis 23.8.2009
"dahoam", Münchener Hbf und ab nach Franken (Samstag, 08.08.2009)
... alright, neue Tour – neues Glück. Anders als letztes Jahr, als wir unsere Sommertour mit einem Heimatkonzert beendeten, stand das Konzert in heimischen Gefilden dieses mal zu Beginn: im gut gefüllten "Alt Mittenwald" spielten wir, selten genug, zu Hause auf, und es fanden sich viele interessierte Zuhörer. Thomas an der Trompete war genau wie Johanna an der Geige auch wieder dabei. War'n schöner Abend, auch wenn echt drei Saiten rissen, was entweder an Lugis zu harten Plektron oder am teilweise lauten Lärmpegel der Bar lag ...
Heute nach ausgiebigem Brunch und kurzer Obermarkt-Session (merci für die Getränke Einladungen an Hotel Post und Bäckerei Faselbeck!) ging's los, per Zug nach München. Maxl mit neuem Haarschnitt, Lena mit neuer Hippie-Sonnenbrille, Johanna ein bissl humpelnd von der "Schrauben-aus-der-Ferse-Operation", kleiner Till einfach nur gutgelaunt und Lugi mit eingewachsenem linken Daumen.
Eigentlich wollten wir heute schon Nürnberg beglücken, aber kurzfristig kam es zu einem Radio-Interview mit "Bayern 2". Im ambulanten Interview vor dem Hauptbahnhof, das in einer Stunde von der Bühne ging, durfte auch das Thema der Sendung nicht fehlen, also "Straßenmusik": Nach dem 3. Stück mussten wir bedauerlicherweise aufhören (nein, nicht die Polente), weil eine offenbar geistig Verwirrte (ich weiß nicht, war sie 30 oder 60?) derart lasziv bis anstößig zu Max' "no bad people" tanzte, dass wir wohl einen Fall von Erregung öffentlichen Ärgernisses verschuldet hätten, wenn wir weiter gespielt hätten.
Teils per Auto (Johannas Halb-Bruder Maxi stieß zu uns), teils per Zug fuhren wir in nord-westliche Richtung nach Schwabach (bei Nürnberg), wo wir bei Johanna zu Hause Station machten. Morgen greifen wir aber so richtig an, wir hoffen, Sonntags ist was los in good old Nürnberg!
Super-Nürnberger-Auftakt (Sonntag, 09.08.2009)
Wir hatten uns in Nürnberg gleich mal einen ganzen Nachmittag voller ambitionierter Straßenmusik vorgenommen. Die Nürnberger „blaue Nacht“ vom Sommer ist uns in sehr guter Erinnerung, verkauften wir damals doch an nur einem Tag unglaubliche 60 (!) CD’s in der fränkischen Innenstadt.
Dieses Mal ging es erst mal gar nicht prickelnd los. Wir bogen an der Lorenzkirche ab und stellten uns schräg gegenüber einer Wurstbude auf und spielten drauf los. Nach 25 Minuten trällern und aber wirklich 0,0 Zuhörern (die Sonntags-Spaziergänger gingen sonderbar strebsam immer gleich weiter Richtung Lorenzkirche und Burg) packten wir wieder zusammen. Wir wollten einen besseren Platz suchen, als uns die Wurstbudenverkäufer (Mitleid oder angesehener Appetit?) gleich mal ein paar Bratwurstsemmeln spendierten (aber nich' so die kleinen Würstel, sondern ordentlich dicke!). Es ging also aufwärts, und wir versuchten unser Glück nahe der Brücke gegenüber einer Eisdiele, wo deutlich mehr Durchgangsverkehr war.
Die Sonne brutzelte zwar ganz schon knackig, aber der Platz war ideal, die Menschen blieben zahlreich stehen, und ich erkannte sogar einige, die vorhin noch ohne uns eines Blickes zu würdigen vorbei geschlendert waren. Komisch, oder? Max’ Sonnenbrillen-Song „Ich seh’ dich einfach nicht“ passte einfach nur zu gut zu diesem sonnigen Nachmittag, den wir gegen Abend mit einer gemütlichen Eis-Session zufrieden beendeten, bevor wir wieder zurück in unsere Unterbringung zu Johnny’s Eltern aufbrachen.
"Quer-durchs-Land" mit der DB (Montag, 10.08.09)
Heute früh ging unser Zug recht zeitig los in Schwabach, um 8.30h standen wir mit Sack und Pack am Bahnhof. Damit wir nicht verhungern auf dem langem Weg nach Aachen hat uns die Mama von Johanna viele belegte Semmeln und Bananen eingepackt. So reist es sich gerne!
Wir hatten auch einen guten Reisetag erwischt: Leere Züge, kühles Wetter, ein fast durchschlafender Till. So hat man die neuneinhalb Stunden Fahrt schnell rum gebracht. Lena hatte ihren dicken Wälzer fast schon ausgelesen, so sie sich schon Sorgen machte, was sie die nächsten zwei Wochen noch lese), Lugi, Maxi und Johanna haben meist geschlafen, mit Unterbrechungen zum proben – und Till? Der hat, wenn er nicht auch gepennt hat, in die Runde reingegrinst und uns gute Mama-Papa-Tanten-Onkel-Gefühle vermittelt.
Nach unserer Ankunft in Aachen gingen wir nach einem kurzen Zwischenstopp in der Wohnung von Fritzi und Georg (Johannas Schwester und ihrem Mann, die uns netterweise für eine Nacht aufnehmen) gleich in die Stadt und spielten zwei Blöcke bis in den einigermaßen späten Abend. Aktuell stehen meine Brüder und Johanna in der Küche und kochen glutenhaltige sowie glutenfreie Nudeln mit Soße und Till liegt zufrieden in Georgs Armen und ich schreibe unser online-Tourbuch weiter. Morgen spielen wir noch mal in Aachen ab ungefähr 16h, danach geht’s gleich weiter nach Amsterdam.
Amsterdam (Donnerstag, 13.08.2008)
Nach Frühstueck und Aufbruch verpassen wir den ersten Zug, doch der eine Stunde später brachte uns ans Ziel: Amsterdam. Viele Fahrräder, wolkig-windiges Wetter, viele Touristen, Kanäle, England- und Hollandfans (Abends spielte Holland hier in Amsterdam gegen England), Kitsch, schöne Menschen, kaputte Menschen, Musik, schöne Häuserfassaden und immer wieder dieser süssliche Geruch.
Nach der ersten Strassenmusiksession im Zentrum ist klar: die erste CD (no bad people) verkauft sich im Ausland besser Deutsche Touristen bleiben auch gern stehen und auch alle anderen wippen mit bei "Strassenmusiksafariodyssee". Es bleibt spannend, ob wir eine Unterkunft bekommen oder nicht, und dann treffen wir die Geigenbauer-Freundin dann doch noch, per Zufall im Gewimmel, so ein Glück. Also doch nicht mit dem kleinen Till im Freien übernachten :-)
Eine mitternaächtliche Session gipfelt im Centregen, Lenas Schlagzeug-Becken wird aus dem 1. Stock ueber uns schallend mit Muenzen getroffen. Gott sei Dank sind das Spenden und keine Ruhestörungs-Protest-Geschosse …wir sind bisschen perplex. Ein deutscher Zuhörer fällt urplötzlich um, das war eher das vorher genossene Rauschmittel als unsere Musik. Aber er ist ok und setzt sich in eine Ecke. Wir nehmen schnell die letzte Tram.
Wir schlafen gut, Lena wickelt den kleinen Till, der Nachmittag wird privat verbracht, mal keine Musik, das ist auch mal gut. Karten schreiben, Kaffee trinken, Geigenbauer besuchen. Heute Abend wird wieder Musik gemacht. Ist viel los hier in Amsterdam, aufregend.
Schluss mit Amsterdam (Freitag, 14.08.2009)
Nachdem wir heute früh schon sehr zeitig mit Maria, unserer Freundin, die uns aufgenommen hat, aufgestanden sind und gefrühstueckt haben, sind wir auf zum Bahnhof Richtung Leiden, einer kleineren Studentenstadt in der Nähe von Amsterdam. Wir hatten den Tipp bekommen, dass es dort sehr schön sein sollte und die Musik dort auch vielleicht gut ankommen könnte.
Als wir dort ankamen, waren wir schon erst mal begeistert. Leiden ist ein sehr schönes kleines Städtchen mit Bio-Cafes und einer netten Fussgänger-Einkaufsstrasse. Also dachten wir uns nichts, als wir dem Till erst mal ein schönes Lager neben uns aufbauten, damit auch er gut liegt, wenn seine Mama Geige spielt und auch wir uns "häuslich" einrichteten.
Doch irgendwie kamen unsere Bemühungen nicht wirklich gut bei den Leuten an. Es waren auch einige unterwegs, ein paar schmissen uns Groschen in den Koffer, eine deutsche Familie kaufte auch die CD. Trotzdem kam keine richtige Stimmung auf. So gingen wir nach dieser ersten Session erst mal in eines der schönen Bio-Cafes und ließen uns heiße Schokolade mit Sahne, sowie Muffins und lecker Bagels schmecken.
Die Sonne schien, es wurde immer voller in der Fussgaengerzone, so gingen wir den zweiten Block mit neuem Mut an. Aber leider änderte sich nichts. Da beschlossen, jetzt noch einmal ALLES bei "no bad people" geben. Ausstrahlung, Spaß, Rockerlaune, die Leute catchen, auf geht’s! Wir peppen uns auf, mit rot-knalliger Sonnenbrille (Lena), Fluch-der-Karibik-Piratentuch (Maxi) und strebigem Harvard-Pulli (Lugi) und legen ne richtige Show hin, und zwar inklusive Klatsch-á-cappella-Publikums-Animations-Action. Wir schworen uns vorher, wenn am Ende keiner dasteht, fahren wir zurück nach Amsterdam.
Naja, und so kam es wie es kommen musste und wir fuhren wieder zurück nach Amsterdam, haben dort am Leidseplein noch zwei Sessions gespielt und sind nach einigem hin und her mit Rucksäcken-Holen zu Usa nach Hause, dem Arbeitskollegen von Maria, der uns heute Nacht netterweise noch Unterkunft gewährt.
Hier gab es heute Abend ne andere Session, nämlich ne Grillsession mit Hühnchen-Schenkeln, Spießen, Champignons, Auberginen, Kartoffeln, Wein, Wasser und Bier und und und. Jetzt hocken wir schön draussen in einem kleinen Garten, Johanna stillt den kleinen Till, der gerade gefühlte zwei Stunden durchschrie (er darf das noch), Maxi spielt Gitarre, Lugi unterhält sich gut. Morgen machen wir erst mal nen ruhigen Vormittag und ab Mittags geht’s Richtung Münster, wo wir bei einer sehr netten Familie zu einem Sommerfest eingeladen sind. Wir freuen uns schon. Den letzten Abend in Amsterdam genießen wir jetzt aber noch richtig. Es war schön hier.
Back to Germany (Sonntag, 16.8.2009)
Seit gestern sind wir wieder in deutschen Landen, genauer gesagt in Ibbenbüren bei Osnabrück, wo wir für ein Sommerfest engagiert waren. Die junge Familie mit drei Kindern hatten wir bei unserer letztjährigen Sommertour in Münster kennen gelernt - nun es gab ein wunderschönes Wiedersehen bei traumhaften Wetter, erstklassiger Bewirtung und netter Gesellschaft. Ganz gemütlich spielten wir unser Programm in drei Blöcken unter einem Baum im Garten, und es war mal ganz schön, nicht wie in den letzten Tagen auf der Straße das Publikum durch Lautstärke und Präsenz überzeugen zu müssen.
Momentan genießen wir noch die fürstliche Unterkunft hier in Ibbenbüren, am Nachmittag werden wir im eine knappe Zugfahrstunde entfernten Münster aufspielen und uns morgen über Osnabrück und Oldenburg weiter in Richtung Norden schlagen.
Münster – diesmal leider ein Griff ins Klo (Montag, 17.8.2009)
Den restlichen Tag verbrachten wir erst mit einer ziemlich intensiven Probe: 3 neue Songs stehen auf dem Programm, allesamt deutsch: "Heimweh", "Schlau ohne TV" und "Ich weiß nicht was ich will", die Stimmen wurden ausgefeilt und gelegentlich musste mal wieder abgestimmt werden.
Von der zähen Probe so ein bisschen groggy, rafften wir uns doch noch auf und fuhren nach Münster, um dort Musik zu machen. Wir bekamen sogar den VW-Bus unserer lieben Gastfamilie geliehen. In Münster war – man glaubt es kaum - ebenso Sonntag, d.h. relativ wenig los, aber wir wollten es eben trotzdem versuchen. Naja, lange Rede … es kam kaum was zusammen, wir verkauften eine CD, und packten unser Zeug und fuhren wieder. Höhepunkt des Kurztrips war also eindeutig das Tanken, wo wir zusätzlich eine lauwarme Joghurt-Ritter-Sport-Schoki verdrückten.
Zuhause chillten wir nur noch ab, nach dem Abendessen (es gab u.a. die Reste der Feier, wir aßen zum dritten Mal Kartoffel-Gratin) gingen Max u. Johanna in die Sauna, Lena las im bequemen Bett und Lugi kümmerte mich um den goldig kleinen sabbernden Till, neben dem er auch einschlief.
Immer weiter: über Osnabrück nach Oldenburg (Dienstag, 18.08.2009)
Der Montag war irgendwie komisch. Max aß erstmal Kartoffelgratin zum Frühstück . Nach herzlichem Abschied von den Ibbenbürenern ("Was sing'mer denn noch?") fuhren wir nach Osnabrück weiter, wo wir gleich mal ins Zentrum zogen.
Dort in der Osnabrücker Fußgängerzone hatte man sich offenbar gegen uns verschworen, uns nämlich komplett zu ignorieren. Na gut, es war Montag Vormittag. Vielleicht liegt's gar nicht an uns oder Osnabrück. Wir packten gleich wieder ein. Ganz unabsichtlich rächten wir uns aber doch dafür. Im zu niedrigen Eingangsbereich einer Passage wurde der auf der Rolltreppe stehende Kontrabass zwischen Boden und Decke eingeklemmt (*knirrrsch*)... ich (Lugi) konnte die fest steckende Kontrabassschnecke (das ist das dünne, obere Ende) grad noch aus dem Putz nach vorne ziehen. Sie hinterließ ein faustgroßes Loch. Ich mein' schon, dass das die Haftpflicht übernommen hätte, aber so wirklich glaubhaft klingt die Geschichte ja nicht. Der Bass sah jedenfalls aus wie mit Puderzucker bestäubt und ich schluckte und tat so als wär' nix passiert.
Johanna und der kleine Till waren bis hierher mit uns gefahren, verabschiedeten sich aber nun zu Freunden nach Hannover. Auf unserem Niedersachsen-Ticket (Gruppen-Ticket), mit dem wir nach Oldenburg weiter fuhren, hatte aber ausgerechnet Johanna unterschrieben. Philadelphia also ohne Johanna mit Johanna-Ticket nach Oldenburg. Fahrscheinkontrolle. Johanna-Ticket. Johanna-Ausweis? Keine Johanna, kein Johanna-Ausweis. Ihre Ausweise, bitte! 3x 53 Euro Strafe. Party-Stimmung pur.
Oldenburg ist nicht so gnadenlos wie der Schaffner. In der angeblich ältesten, aber in jedem Fall schönen Fußgängerzone („Leffers Eck“) spielen wir lockere 3 Stunden, und die Leute hören zu, geht doch! Falafel- und Pizza-Sessions, Radler trinken und Süddeutsche Zeitung überbrücken Hunger und Zeit. Max und ich kommen auf den heilsamen Geschmack von Bio-Lakritze von Rossmann.
Abends treffen wir uns mit Tina, einer uns bis dato noch gänzlich unbekannten Freundin einer Freiburger Bekannten. Sie ist in Sachen Humor voll auf unserer Wellenlänge. Schön. Man darf endlich mal grad raus sagen, was man für lustig hält. Sie nimmt uns auf, bekocht uns, schleppt uns auf eine Mini-Musik-Studenten-Party, wo wir Bier, Wein, Ouzo trinken und Peter Fox' "Texten" lauschen. Wieder zuhause wird schon wieder Joghurt-Ritter-Sport-Schokolade gemampft. Ein bisschen betüdelt schlafen wir ein.
Hamburg – eine Stadt zum Wohlfühlen (Mittwoch, 19.08.2009)
Nachdem wir uns von Tina, unserer netten Gastgeberin in Oldenburg, am Bahnhof verabschiedet haben, fuhren wir mit einem kleinen Kater (vom Ouzo von gestern) nach Hamburg. Dort waren wir letztes Jahr schon und es hat uns auch sehr gut gefallen, so freuten wir uns, wieder dorthin an unsere "alten" Plätze zu kommen und für die Hamburger ein weiteres Mal zu spielen. Letztes Jahr haben wir auch schon in Altona gespielt und gemerkt, dass dort die Leute sehr nett und offen sind. So fuhren wir dorthin, da wir unsere Hamburger Gastgeber Julia und Simon, zwei Geigenbauer, erst abends treffen.
Gleich am Anfang spielten wir zwei Blöcke über den Nachmittag verteilt, wurden auch nicht enttäuscht und es blieben viele interessierte Zuhörer stehen. Dort trafen wir dann Matthias, der uns für die Nacht darauf aufnehmen kann, da die beiden anderen uns nur für eine Nacht Unterkunft gewähren können. Matthias studiert Islam-Wissenschaften, kommt aus NRW und redet mit einem sympathischen-urkomischen Akzent (bei ihm vergaßen wir eine Stoff-Windel von Till, nur so nebenbei).
Abends kam Julia uns in Altona abholen und wir fuhren mit ihr zu deren Wohnung an den Landungsbrücken. Simon war auch schon da und wir genossen den restlichen Abend noch mit sehr sehr leckerem Essen (Danke Maxi und Simon fürs Kochen) Bier, den restlichen Ouzo von Oldenburg und selbstgedrehten Zigaretten. Den Absacker des Tages nahmen wir alle außer Lugi, der die Stellung zu Hause hielt (*schnarch*), bei einem hier in Hamburg exotischen Augustiner im Park. Schön, dass wir so viele unterschiedliche und tolle Menschen kennen und kennenlernen dürfen und deren Gastfreundschaft genießen können. Wir werden versuchen, alles so gut wie wir können zurückzugeben. Danke an alle!
Hamburger Szene und Finale auf Sylt (Sonntag, 23.08.2009)
Noch einen Tag blieben wir in Hamburg und spielten Nachmittags nochmal in Altona und Abends im berühmt-berüchtigten Schanzenviertel auf, bevor wir am nächsten Morgen nach Sylt düsten. Dort wollten wir vor allem Eines - mal ein bisschen Urlaub machen! Wir genossen das Camperleben direkt hinter den Dünen, hatten unseren ersten (!) spielfreien Tag und ließen es uns einfach gut gehen.
Ob man auf dem ja eher als elitär bekannten Sylt einfach so auf der Straße Musik machen konnte, darüber waren wir uns zu Beginn nicht so recht einig, doch stellte sich am Nachmittag des zweiten Tages auf der Insel bald heraus, dass sowohl die vielen Gäste als auch die wenigen Insulaner nicht nur großzügig spendeten, sondern auch aufmerksam zuhören konnten. Somit waren wir auch am letzten Tag unserer zweiwöchigen Tour für ein gebührendes Finale auf Westerlands Flaniermeile hoch motiviert, und ich (Max) war bei der letzten Zugabe "What it's gonna be" mal wieder fasziniert, wie man nach 13 Tagen beim Spielen der immer gleichen Lieder immer noch solchen Spass haben kann. Muss wohl an den Zuhören liegen. Im diesem Sinne: Danke an alle. Bis nächstes Jahr.
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Spanien-Kurztrip
15.11.2008 bis 18.11.2008
Schon Wochen haben wir uns auf diesen gebuchten Auftritt gefreut: Am Sonntag ging's los nach Spanien. Wir wurden im Juli von der Julia auf dem Augustinerplatz "entdeckt", sie war gerade am Planen für die Geburtstagsfeier ihres Vaters, der im November seinen 60. Geburtstag feiert. Es war eine Überraschung, alle seine Freunde hatten ihm abgesagt und so dachte er, er feiert alleine mit seiner Frau in einem Club in Andalusien - aber dem war dann doch nicht so ...
Schon am Samstag sind wir nach Stuttgart gefahren, weil dort am Sonntag in der Früh um sechs der Flug los ging. Wir nutzten noch den Tag und machten Straßenmusik, denn Stuttgart fehlte uns eh noch beim Straßenmusizieren. Überraschenderweise war es super dort. Die Leute haben uns die CDs aus der Hand gerissen, so dass nicht mal eine für das Geburstagskind übrig blieb. Wir waren echt erstaunt und nach drei Blöcken in der samstäglich gut besuchten Fußgängerzone fuhren wir zu unseren Freunden Axel und Anna, die mit ihrer zuckersüßen kleinen Tochter bei Axels Eltern wohnen. Vielen Dank an dieser Stellen für Unterkunft und Essen!!! :D

Nach einer relativ kurzen Nacht mussten wir auch schon wieder um vier Uhr aufstehen um rechtzeitig zum Flughafen zu kommen, diesmal mit fester, sehr schweren Hülle für den Kontrabass und in Pappe und Klebeband eingehülltem Schlagzeug. Da konnten wir uns dann auch das Taxi zum Flughafen ohne schlechtem Gewissen leisten.

Unser Flug ging mit Zwischenstopp in Palma de Mallorca (wo ich mich kurzzeitig in nostalgischer Stimmung befand, ich habe 2005 neun Monate auf Mallorca zwecks AuPair gelebt) nach Sevilla/Andalusien, dort holte uns ein sehr netter Mann mit riesigem Auto ab und fuhr uns noch mal ins eineinhalb Stunden entfernte Cadiz an der Atlantikküste. Auf der Fahrt sahen wir schon viel Sonne, Olivenbäume, Baumwollfelder, Palmen. Yeahhhh ... wir sind in Spanien!!!

Nach dem Einchecken im Hotel besuchten wir ausgehungert das Restaurant, und dort waren wir erst mal baff. Ein Raum mit sechs großen Tischen bedeckt mit Buffet: Salate, kalten Vorspeisen, warmes Essen von allem, was man sich vorstellen kann, Eis, Kuchen, Pudding, und und und ... Die totale Reizüberflutung erst mal. Doch Philadelphia kannte sich schon recht bald aus und wir haben reingehauen wie die Weltmeister. :)
Das Hotel war der Club Aldiana all inclusive und das war für uns eine ganz neue Erfahrung. Die Zimmer waren in kleinen Gästehäusern, dazwischen Parkanlagen mit viel Natur. Ich hatte ein Zimmer für mich allein gleich neben meinen Brüdern. Unser Gepäck wurde direkt zu unseren Zimmern gebracht und nachdem wir uns in unseren Zimmern ausgeruht hatten (Lugi und Maxi schliefen erst mal eine Runde) haben wir natürlich dann den Strand aufgesucht. Und das war die nächste Überraschung:
Ein kleiner romantischer Weg führt einen direkt über die Dünen zu einer kleinen Holztreppe und von dort oben aus muss man erst mal staunen. Vor uns lag der Atlantik, riesig und azurblau, mit einem tollen Sandtrand. Und dazu fast keine Menschenseele dort, nur vereinzelt Urlauberpärchen und andere Spaziergänger. Tja, Philadelphia ist in Spanien angekommen würde ich sagen. Natürlich wären wir nicht wir, wenn wir alle drei unsere Schwimmsachen nicht vergessen hätten, aber das war uns egal und wir schmissen uns in unserer Unterwäsche in den Ozean (der schon relativ kalt war, aber wir sind ja auch die kalten Bergseen in Oberbayern gewöhnt, also ließen wir uns davon nicht abschrecken. Wenn man mal drin war, war es unglaublich!).

Im Endeffekt haben wir dann bis zum nächsten Tag Urlaub gemacht. Essen, schlafen, lesen, essen, im Meer schwimmen, schlafen, essen, abends Cocktails trinken an der Bar (ist ja alles für umsonst! ;) ).
Montag haben wir nach dem Frühstück und Mittagessen (wie kann man so viel essen?) einen wunderbaren Nachmittag am Strand gehabt, haben uns gegenseitig im Sand eingegraben, uns rumgerollt, Muscheln gesammelt, geschwommen, rumgelaufen und uns wie kleine Kinder benommen. Wem geht’s so gut wie uns frag ich mich da???

Abends fand der Empfang statt, das Geburtstagskind wurde überrascht und wir haben draußen mit einer traumhaften Kulisse im Hintergrund unsere Lieder zum Besten gegeben. Danach gabs wieder Essen und anschließend haben wir noch mal in der Bar bis Mitternacht gespielt. Unseren Auftritt haben wir mit einem lauten "Happy Birthday" abgeschlossen und sind dann auch erschöpft ins Bett gefallen (na ja, meine Brüder halt. Ich habs mir nicht nehmen lassen und bin noch ein, zwei Stündchen in die Hoteldisco. :D ).
Am nächsten Tag wurden wir dann auch wieder nach dem Mittagsbuffet abgeholt, um um 17.00h unseren Flug zu erreichen. Einchecken, fliegen, Zwischenstopp Palma de Mallorca, in nächste Flugzeug. Wieder das gleiche Lied und um 22.30h kamen wir erschöpft in Stuttgart an. Leider ging kein Zug zurück nach Freiburg, so hätten wir eigentlich die Nacht noch mal in Stuttgart verbringen müssen. Doch wir wollten heim, so hat unser Lugi am Flughafen ein tolles Mietauto organisiert und wir konnten bequem nach Freiburg fahren (Gott sei Dank wird auch das Mietauto übernommen. :) ).

Fazit:
Wir hatten drei bezahlte Urlaubstage in einem tollen Club, wo alles auf Deutsche ausgerichtet ist und hatten eine tolle Zeit. Doch trotz all dem würden wir, glaube ich, uns nicht an so etwas gewöhnen wollen, denn das Tolle am Ausland ist doch, Land, Leute und Sprache kennenzulernen.
Und wir würden nicht so schlank bleiben. Außer vielleicht Maxi. ;)
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Deutschland-Tour
02.08.2008 bis 17.08.2008
Tourauftakt (Sa, 02. Aug. 2008)
Endlich ging es heute morgen los, wir nahmen um 6.34 h den Zug nach München. Um nicht zu verschlafen machte Lena lieber gleich durch, Max und Lugi bekamen wenigstens 4 bzw. 2 Stunden Schlaf (die Geigenbauer in Mittenwald feierten Gesellen-Freisprechung, das ist ein Muss ;-). Von München aus ging es über Nürnberg und Dresden in unsere Hauptstadt Berlin. Kurze Aufenthalte erlaubten kurze Musik-Sessions wie am Nürnberger Bahnhof (2 verkaufte CD's und ca. 18 Euro in ca. 20 Minuten) und auch in Dresden (die Bahnpolizei war besonders nett, als sie uns weiter-komplimentierten bzw. des Platzes verwiesen).

In Berlin, nach beachtlichen 12 Stunden Zugfahrt, staunten wir Landeier erst mal gar nicht schlecht über den neuen Hauptbahnhof, bis wir per S-Bahn bei Meggie, einem Schulfreund von Lugi in Neu-Kölln unterkamen. Wir wurden gleich mal mit Speck-Nudeln bekocht, tranken Wein vom Penny-Deluxe und gingen relativ früh ins Bett, um Schlaf nachzuholen. Berlin schläft nie, wir hingegen schon. Wir freuen uns auf die nächsten Tage.
Berlin, Johanna und andere Bayern (Mo, 04. Aug. 2008)
Unser erster Tag in Berlin ist geschafft. Nach ausgiebiger Probe von 9.15 – 12.30 h haben wir erst mal Berlin erkundet. Natürlich durfte das Brandenburger Tor nicht fehlen, das Lena auch zum aller ersten Mal gesehen hat (wie Berlin überhaupt). Wir haben natürlich nach guten "Spielplätzen" Ausschau gehalten und auch ein paar gesehen. Wir genossen Eisschokolade in Liegestühlen direkt an der Spree und feierten so unseren ersten Tag unserer Tour.Abends haben wir erst direkt am Alexanderplatz gespielt, wo es leider nicht so gut lief, da die Leute heute Abend irgendwie anderes zu tun hatten, als Philadelphia zuzuhören. Dort ist Johanna, Maxis Freundin, zu uns gestoßen und hat uns den restlichen Abend mit der Geige unterstützt. Sie ist mit nur einem (!) Auto von Nürnberg nach Berlin getrampt.
Vom Alex aus sind wir an die Admiralsbrücke in Kreuzberg und da fanden wir endlich das Publikum, das wir gesucht haben. Da der Straßenmusiker verstärkt vor uns zu laut war, hat ihn dann Gott sei Dank die Polizei vertrieben und es war freie Bahn für uns (Spaß! Natürlich war es schade für ihn, aber wir waren einfach ein bisschen leiser als er). Außerdem trafen wir sehr nette Leute aus Bad Kohlgrub (Nähe von Mittenwald) und haben so gleich die ersten Kontakte geknüpft. Es war ein super toller Tag und nach ein paar Bieren mit unseren netten Gastgebern haben wir diesen auch gut abgeschlossen. Wir sind gespannt auf morgen.

Nächster Halt, Hamburg Hauptbahnhof (05. Aug. 2008)
Nach zwei wunderschönen Straßenmusikabenden in Berlin geht’s heute weiter nach Hamburg. Und der gestrige Abend war wirklich ein würdiger Abschluss: zusammen mit ein paar „alten“ Freunden aus unserer Heimat, die wir am Tag zuvor kennen gelernt hatten, feierten wir in Johannas Geburtstag rein. Wie es sich für anständige Geburtstagsfeiern gehört mit einer Partie "Wer bin ich?" und anschließenden "Mäxchen"-Runden. Lena liegt zur Zeit noch im Bett, Lugi hat schon versucht, seine vier Ex-Runden beim Joggen rauszuschwitzen, Johanna hat Kopfweh und ich (Max) hab mich schweren Herzens dazu beschwatzen lassen, heute ausnahmsweise erst um zehn mit dem Proben zu beginnen. Wenn wir so weiter machen, bin ich gespannt, wie wir nach zwei Wochen wieder daheim ankommen...
Altona, das Schulterblatt und Bio-Würste um Mitternacht (Do, 07. Aug. 2008)
Unsere Reise von Berlin nach Hamburg gestaltete sich folgendermaßen: Lugi wurde mit Schlagzeug, Kontrabass und einem Rucksack in den ICE Richtung Hamburg gesteckt. Das war zwar ein bisschen beschwerlich ("Beschwer dich nicht!"), doch konnte er neben den Augenbrauen hochziehenden ICE-Snobs wenigstens eine ruhige Kugel schieben. Mit den großen Instrumenten lässt es sich nicht allzu leicht per Anhalter fahren. Ohne dafür umso besser: Max, Lena und Johnny trampten, nach immerhin 30-minütigem-an-der-Straße-stehen tatsächlich in nur einem einzigem Auto von Berlin Tegel direkt bis zum Hamburger Bahnhof.
Nach einem kurzen Besuch (und Spielversuch, aber es war viel zu laut wg. des Busbahnhofs nebenan) auf dem Stuttgarter Weinfest am Rathausplatz kamen wir dankbar bei einem alten Schulfreund von Lugi unter. Wir wohnten in Altona in einer kompletten Veganer-WG. Es war wirklich sehr nett dort, nur gab's kein Klopapier.
Den Mittwoch-Vormittag verbrachten wir wieder mit eiserner, aber sehr effizienter Probe von 9 - 13 h. Das Proben und Arbeiten an den neuen Stücken (drei an der Zahl) macht wieder so richtig Spaß. Johnnys Geige fügt sich ideal ein. Abgelenkt werden wir nur Lachkrämpfen, Diskussionen über das „Schweiss-Leistungs-Verhältnis“ unserer Deodorants und vom Presslufthammer nebenan. Und draußen regnet es in Strömen. Nachmittags spielen wir in Altona, wo wir prompt eingeladen werden, am Freitag auf einer Hochzeit zu spielen. Das Ja-Wort wird wohl ohne uns klappen müssen, wir wollen ja weiter. Zwei andere Zuhörer haben uns vor 2 Wochen auf dem ZMF in Freiburg gehört... so klein in Deutschland. Nach Bezug einer anderen, befreundeten Wohnung machen wir uns noch um 21.30 h auf ins Schanzenviertel, wo am "Schulterblatt" eine besonders nette Gegend für Straßenmusik sein sollte. Genau das hat sich auch bewahrheitet: Im Nu bildete sich ein Traube um uns, die restlichen CDs waren schnell weg (wir haben jetzt gar keine mehr, morgen bekommen wir hoffenlich mit der Post Nachschub aus der Heimat). Wir spielten etwa 45 Minuten vor einem strahlenden Publikum und gönnten uns dann nebenan zufrieden Bio-Curry-Würste (ich wusste vorher gar nicht, dass es so was gibt) mit Pommes und Bionade. Lena hätte noch eine Stunde weiterspielen wollen, aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Die Philadelphia-zwei-Drittel-Mehrheit hat beschlossen, drei Nächte in Hamburg zu bleiben. Wir werden morgen um 21 h wieder am Schulterblatt spielen. Hamburg ist (vor allem bei trockenem Wetter) sehr sympathisch. Nur: das Radler kam heute im Weizenglas. Also bitte, macht man so was ;-)?

Rundfahrten durch Hamburg (Sa, 09. Aug. 2008)
Nach unserem ersten Tag in Hamburg, einem sehr schönen Abend am "Schulterblatt" haben wir uns am nächsten Tag nach einer Probe von 9.00h - 13.00h aufgemacht um Hamburg ein bisschen besser kennen zu lernen. Wir beschlossen, eine Hafenrundfahrt zu machen, denn anscheinend muss man das als "Nicht-Hamburger" auch unbedingt mal gemacht haben. Also auf zum Hafen, mit der U-Bahn Station Landungsbrücken. Nachdem wir unser Ticket plus Magnum Eis gekauft haben, finden wir einen schönen Platz ganz oben auf dem Schiff.
Die Fahrt war wirklich sehr angenehm und lehrreich, nur hat manchmal unser Informant, der uns per Lautsprecher mit einem "Jo, moin moin die Landratten" begrüßte, eine bisschen genervt. Im Großen und Ganzen war es aber eine sehr schöne Rundfahrt und wir haben es sehr genossen. Danach sind Johanna und Maxi zu einem Freund, um die dorthin geschickten CDs abzuholen, Lugi und Lena sind nach einem kleinen Abstecher über die Reeperbahn (damit man’s mal gesehen hat) nach Hause.
Um 21.00 h (pünktlich wie Philadelphia halt ist) postierten wir uns an unserem Platz vom Vortag, am Schulterblatt. Es haben wie gestern sofort sehr viele Menschen zugehört, haben gestaunt, geklatscht, gekauft, gespendet, gelacht, gestrahlt und mit uns gequatscht.
Kurzum: Es hat sich wieder mal gelohnt und bei einer heißen Schokolade (die unglaublich war, plus extra Sahne!!) hat Philadelphia feat. Johnny den Abend abgeschlossen.
Nasse Fahrt nach Münster + philadelphisches Glück (Sa, 09. Aug. 2008)
Heute verlassen wir Hamburg. Es hat uns hier wirklich sehr gut gefallen und ich (Lena) würde am liebsten da bleiben. Aber was sein muss, muss sein. Aber wir freuen uns nun auch auf unseren nächsten Halt. Und der ist, nachdem wir einen Blick aus dem Fenster geworfen haben, nicht Sylt, sondern Münster. Denn es regnet in Strömen.
Wir schliefen erst mal aus und nach einem Frühstück gehen wir alle getrennt erst mal in die Stadt und erledigen unsere Sachen. Lugi schickt bestellte CD`s weg, Maxi zahlt Geld ein (juhuuu...) und ich muss auf Klappstuhl-Suche gehen, da ich ihn gestern in dem Cafè bei der tollen Schokolade vergessen hatte (dem Klappstuhl hat's in Hamburg auch gefallen... wie mir). Nachdem ich alle Geschäfte abgeklappert habe (kein Laden in Altona hat so einen einfach stinknormalen Klapphocker! Gibts so was? In Mittenwald hatte ich ihn gleich im ersten Geschäft gekauft.... verrückte Welt!) fahre ich im strömenden Regen in die Schanze und hole meinen Stuhl wieder ab.
Klitschnass komme ich zurück und dann sind wir alle am Bahnhof und verpassen erst mal die nächsten zwei Züge nach Münster (bei dem zweiten wurde das Gleis geändert).
Nach einer vierstündigen Fahrt kommen wir in Münster an. Dort geht es jetzt schon dem späten Abend zu und wir haben keine Unterkunft. Erst mal beschließen wir, dass wir in der Innenstadt spielen und wir sind sehr erstaunt. Nach einem, ich sage mal „bescheidenen“ Block, haben wir sechs CD`s verkauft. Es waren vielleicht mal zehn Leute da, die uns zuhörten!! Wir waren sehr beeindruckt, aber wir ließen das spielen sein, da wir hungrig waren. Von einer sehr netten Frau (die uns auch aufgenommen hätte, wenn sie nicht am nächsten Tag in Urlaub an den Gardasee gefahren wäre, an dieser Stelle wünscht Philadelphia noch mal eine schöne Reise!) wurden wir auf das Weinfest am Schloss geschickt.
Lugi, Johnny und ich machten es uns auf einer Wiese bei Wein und Ciabatta gemütlich (die Wiese war halt ein bisschen nass) während Maxi versucht, uns eine Unterkunft per Hospitality Club zu suchen. Und tatsächlich hat er eine gute Seele gefunden, die sich erbarmte, uns vier durchgefrorene Musiker um 23.00 h Nachts aufzunehmen!
VIELEN DANK NOCH MAL!!! Im einem Moment hocken wir auf nassem Gras im Dunkeln und im nächsten Moment liegt unser Kopf auf einem frischbezogenem Kopfkissen in einer warmen Wohnung... Das kann man doch echt philadelphisches Glück nennen, oder?
Münster im Kaufrausch (So, 10. Aug. 2008)
Der Samstag, 9.8.2008 geht als erfolgreichster CD-Verkaufstag in die Philadelphia-Geschichte ein: das Publikum in Münster kaufte, bis alle CDs weg waren. Auch sonst hatten wir an diesem Tag alles, was wir zum glücklich sein brauchen: gutes Wetter, viele nette musikbegeisterte Leute und am Abend eine nette Familie, die uns freundlich für diese Nacht aufnahm. Nebenbei gab es in den letzten Tagen zwei Erstaufführungen: "Alte Liebe rostet nicht", unser neues deutsches Lieblingslied und "Any Story", welches ein wenig in Richtung "What it`s gonna be" geht.
Köln: Am 7. Tage sollst du ruh'n (So, 10. Aug. 2008)
Unser Sonntag war offiziell spielfrei und somit sehr relaxed: Nach einer nur 1.5-stündigen Probe am Morgen frühstückten wir bei unserer netten Gastfamilie königlich, bevor wir den Zug nach Köln nahmen und uns von Johanna verabschiedeten, die uns die letzte Woche mal wieder phänomenal mit der Geige unterstützt hatte und die jetzt Richtung Mittenwald trampte.
In Köln verbrachten wir einen freien Abend bei Esther, einer australischen Freundin, die wir auf dem ZMF in Freiburg kennengelernt hatten. In ihrer WG steht die Dusche in der Küche. Nach einem wunderbaren Abendessen mit Wein und Kaffee sowie einem Fernseh- und DFB-Pokal-Abend gehen die brav zu Hause gebliebenen Jungs ins Bett. Lena ist beim online-blog-Redaktionsschluss noch nicht zu Hause. Wer hätte das gedacht?
Köln oder die netteste Polente der Welt (Di, 12. Aug. 2008)
Nach (vormit)täglicher Probe von 9-13h vergnügen wir uns ganz individuell: Lena holt ihren Schlaf nach, Max geht joggen und Lugi shoppen im großen basic-Bio-Supermarkt. Außerdem wird die WG-Küche auf Vordermann gebracht, irgendwie muss man sich ja für die Gastfreundlichkeit revanchieren (die küchen-integrierte Dusche funktioniert ganz vorzüglich!). Um 17h brechen wir auf in Richtung Innenstadt, am Neumarkt steigen wir aus und suchen uns in der Fußgängerzone einen guten Platz. Es klappt ganz gut, und nach der zweiten Session werden wir in unserer Pause prompt vom Café gegenüber eingeladen.

Unsere heutigen Kontakte mit Ordnungshütern waren außergewöhnlich sympathisch: Die ersten beiden Polizisten gingen erst mal grinsend-grüßend vorbei, die nächsten Ordnungsbeamten hörten geduldig zu, um nach Ende des Stückes erst unsere Musik zu komplimentieren und uns dann an die Straßenmusik-Regeln zu erinnern (Platz-Wechsel alle 20 Min). Kurioserweise will der eine Kontaktaufnahme, um mal mit uns zu spielen, er selbst mache nämlich auch Musik. Auch die zwei anderen Kollegen, die uns um ca. 23h am Brüsseler Platz stoppen (müssen), üben ihren Job sichtlich ungern aber sehr freundlich aus.
Es macht so richtig Spaß, Leute wie diese in einen musikalischen Interessenskonflikt zu bringen.
Kölsche Straßenfeste (Mi, 13. Aug. 2008)
Nach unserer Probe diesen Vormittag (die leider etwas kurz ausfiel, weil es Lena nicht so gut ging) sind wir nach einem ruhigen Nachmittag um 17.00h wieder losgezogen, um in der Schildergasse in Köln zu spielen. Mit den obligatorischen Pausen (man muss nach 20 Min. immer den Platz wechseln) haben wir drei Blöcke gespielt. Und wieder mal gutes Feedback bekommen. Nach dem letzten Block fanden wir eine Postkarte in unserem Kasten: Lust auf ein kleines Straßenfest? Ruft einfach an! Nach einer kleinen Diskussion von ca. 20 Sekunden haben wir uns entschlossen, dorthin zu gehen. Die Frau, Bea, hat uns dann mitsamt unseren ganzen Sachen inklusive Estie mit ihrem riesen VW-Bus abgeholt.
Im Endeffekt war es ein Fest von mehreren Nachbarn, von denen ein paar Geburtstag hatten. Wir spielten, tranken Kölsch, aßen Käse und Spaghetti mit viel Knoblauch und spielten wieder. Ein paar Häuser weiter die Straße runter war noch eine andere Geburtstagsfeier, dort gaben wir auch noch ein paar unserer Stücke zum besten.Die Überraschung hätte für die dankbaren Geburtstagskinder nicht größer sein können, wir verkauften sieben CD`s und waren zufrieden und müde.
Letzter Halt - Aachen (Do, 14. Aug. 2008)
So viele Leute hatten uns schon von Aachen vorgeschwärmt, dass wir dort einfach vorbeischauen mussten. Nach einer Stunde Fahrt konnten wir die wunderschöne Innenstadt Aachens jedoch leider nicht so richtig genießen, da Lugi und ich (Max) ein bisschen kränkelten. Also legten wir uns anstatt zu singen in einem kleinen Park in der Nähe des Zentrums ein wenig in die Sonne, bis zwei Polizisten vorbeikamen und uns darauf aufmerksam machten, dass schlafen auf öffentlichen Plätzen in Aachen verboten sei. Zuerst dachte ich an einen verspäteten Aprilscherz, doch als die zwei Beamten damit drohten, uns gewaltsam zu entfernen, mussten wir einsehen, dass sie es verdammt ernst meinten.
Über die Freiheit des Individuums in der modernen Gesellschaft sinnierend, begaben wir uns in ein kleines Cafe, wickelten Bankgeschäfte ab (bei einer Sparkasse stießen wir auf die atemberaubende Gebühr von 21 Euro um Kleingeld in einem automatischen Münzzähler wechseln zu lassen) und machten doch noch eine Stunde lang Straßenmusik, wobei leider nicht so richtig Stimmung aufkommen wollte. Übernachten durften wir bei Fritzi, der Schwester meiner Freundin Johanna, die zwar selbst nicht da war, uns aber über einen Freund den Wohnungsschlüssel zukommen ließ.
Aachen - Abschluss unserer Deutschland-Tour (Fr, 15. Aug. 2008)
Am Vorabend schonten wir uns und unsere Stimmen durch frühes zu Bett gehen, gurgeln, (mehrheitlich homöopathische) Medikamente und Wäsche waschen. Wir kriegen die Duschwasserheizung im Bad nicht an, die 6 quiekenden Meerschweinchen unserer (abwesenden) Gastgeber lassen sich nicht von uns stören. Nach eher laxer Probe ab 9h und einem satten Mittags- und Gesundheitsschlaf fühlen wir uns wieder einigermaßen auf dem Damm. Nach einer ersten Musiksession am Rathaus und einer kleinen Stadtführung durch unseren Freund Christian spielen wir unten am Dom. Die zwei Blöcke klappen gut, absolutes Highlight ist die letzte (a-cappella) Strophe von "Why did she go away": es war so ruhig, schön und stimmig dass manchen Zuhörern der Mund offen blieb. Nach "Viva la salsa" und "What it's gonna be" lassen uns die Leute kaum gehen, und drum beschließen wir unsere letzte Straßenmusik-Session mit dem schönen aber traurigen "Für den Fall dass du weggehst", das wir nur selten spielen.
Nach langem Applaus lassen wir den Abend bei Speis und Trank ausklingen und gönnen uns kurz vor Mitternacht müde und glücklich ein Großraumtaxi, das uns zu unserer Unterkunft im Frankenbergviertel bringt.
Antritt zur Heimreise (Sa, 16. Aug. 2008)
Unser letzter Tag ist angebrochen und der allgemeine Philadelphia-Burn-Out ist wenigstens ein bisschen abgeklungen, nachdem wir ausgeschlafen haben. Der Vormittag wird mit aufräumen, putzen, duschen, Meerschweinchen füttern, frühstücken etc... verbracht, bis der Lugi auch schon um elf mitsamt Kontrabass und Schlagzeug zum Bahnhof aufbricht, um den Zug Richtung Mittenwald zu bekommen. Max und ich stellen uns mit dem etwas leichterem Gepäck an die Autobahnauffahrt, um heim zu trampen (günstigste Lösung und der Abenteuer-Faktor ist zumindest für uns auch noch dabei) Lugi kommt ca. vier Stunden vor uns in Mittenwald an, wir erreichen die Heimat (nach fünfmaligem Autowechseln) müde und k.o. um halb zwölf nachts. Der Abend wird noch mit unserem ältesten Bruder Ferdl plus Freundin Melli, unserem Papa und natürlich Johnny bei Bier, Schokolade und Reiswaffeln genossen.
Morgen Abend ist unser Konzert hier in der Heimat, somit ist unsere Deutschland-Tour auch endgültig zu Ende.
Heimspiel (So, 17. Aug. 2008)
Es ist immer etwas Besonderes, nach Hause zurückzukehren: die eigenen Wurzeln, die Berge, die altbekannten Gassen und Winkel des Dorfes und die Gesichter der Menschen nach langer Zeit ganz bewusst wiederzusehen. Man wird sich seiner Herkunft bewusst und hat doch den Eindruck, daheim bleibe, komme was wolle, alles beim alten. Als wir unsere Instrumente schulterten, um Vormittags um 11h in der Fußgängerzone (Obermarkt) für eine Stunde unser Konzert zu bewerben, war es ein komisches Gefühl: durch Köln, Hamburg und Berlin zu marschieren ist ja normal, aber durch das ureigene Dorf? - Es kam trotzdem gut an, nach der Stunde wurden wir gleich in das Hotel Post zum Mittagessen eingeladen, wo wir mit Johnny am Programm für das Konzert am Abend feilten.
Für das Konzert Abends, das im kath. Pfarrsaal statt fand, hatte der Hr. Pfarrer am Vortag in der Messe netterweise Werbung gemacht: "Der Philadelphia-Chor singt". Sonst lief die Werbung außer einer Zeitungsanzeige weitestgehend über Mundpropaganda. Und so erwartete uns ein ziemlich heterogenes Publikum: alte Schulfreunde, Nachbarn, Chorfreunde, alteingesessene Mittenwalder und Touristen. Es gelang uns nach und nach, die steife Konzertatmosphäre von der Bauern-Theater-Bühne aus aufzulockern, v.a. durch Rhythmus-lastigere Stücke wie "Straßen-Musik-Safari-Odyssee" (S-M-S-O) und "Viva la Salsa", bei dem doch tatsächlich 3 Leute aufstanden und drauf los tanzten. Super, echt! Leider schaffte ich (Lugi) es doch tatsächlich, dass nicht nur 2 Saiten rissen, sondern selbst die Nähte des Gitarren-Gurtes nachgaben, wodurch Maxi und Lena mehrfach zu spontanen Ansagen zur Reperaturzeit-Überbrückung genötigt wurden. In der Pause wurde großzügig gratis Mittenwalder Leitungswasser ausgeschenkt. Am Ende hat es dem Publikum, das sich zwei Zugaben ("Home tonight", "Für den Fall dass du weggehst") erklatschte, denke ich ganz gut gefallen. Im nahen griechischen Lokal feierten wir noch im kleinen Kreis. Es regnete gratis Ouzos. Wir bedankten uns ganz herzlich bei unserem großen Bruder Ferdl mit Freundin Melli, die Kartenverkauf und Getränkeservice übernommen hatten und luden sie ein. Schon nach Mitternacht schlurften Max, Johanna und Lugi müde nach Hause. Und Lena? - Für sie hat der Abend eben erst angefangen.Some things never change. Gute Nacht.
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Baden-Württemberg-Tour
26.03.2008 bis 30.03.2008
Unsere Baden-Württemberg-Reise war erst einmal gar keine Baden-Württemberg-Reise, eher eine "Bundesländer-Hopping-Tour". Aber immerhin wissen wir nun todsicher, wie man Württemberg schreibt, für Bayern ist das nicht so natürlich. Wohin also? Ich plädierte ganz klar für Südfrankreich: die regnerischen Temperaturen ließen mehr als zu wünschen übrig, und dieses mal hätte uns ein Auto auch die Gelegenheit gegeben, weitere Strecken zu bewältigen.
Doch überstimmten mich Max und Lena (die altbewährte philadelphische Demokratie mit der Zwei-Drittel-Mehrheit) zu Gunsten eines Besuchs bei Freunden in Wiesbaden. Mit dabei waren dieses mal ein alter Kombi-Mercedes, eine neunjährige Hündin Namens Ronja und deren Besitzerin Johanna, Maxis Freundin. Dass wir fünf alle samt Schlagzeug, Kontrabass und Gitarre in das Auto passten und auf dem Weg an einer Autobahn-Raststätte obendrein noch eine Tramperin mit zum Karlsruher Flughafen mitnahmen, die es nur durch uns zu ihrem glücklicherweise verspäteten Indien-Flug schaffte, grenzte schon fast an ein Wunder.
In Karlsruhe juckte es schon in den Fingern, und so entschlossen wir kurzfristig, Straßenmusik zu machen. Ein Novum war dabei, dass wir zum ersten mal unsere (noch vorläufige, aber doch professionell vom Studio extra für unsere Reise gebrannte) CD auf der Straße feilboten. Wie immer schauten wir uns nach günstigen Spielorten um, und wieder hatten wir diese seltsame Gabe, Straßenecken mit einer ungemein hohen Straßenbahn-Frequentierung auszuwählen und es aber erst spät zu merken. Das scheint besonders dann der Fall zu sein, wenn wir neu in eine Stadt kommen.
Als wir beispielsweise das erste mal in unsere jetzige Wahlheimat Freiburg kamen, um dort Straßenmusik zu machen, stellten wir uns (nachdem wir zugegebenermaßen erst ziemlich verplant Instrumente schleppend in der Oberwiehre umhergeirrt waren) an den nicht unschönen Oberlinden-Platz direkt hinter dem Schwabentor, wo uns die Leute zwar zuhörten, aber zwei Meter vor uns die menschen- und geräuschvollen Straßenbahnen im Minutentakt hielten und wieder anfuhren, bis wir uns entschlossen, unseren Platz zu wechseln, um unseren späteren Stammplatz in der Nähe des Bertholdsbrunnens zu finden (wo die Straba genauso doll fährt, wir aber weiter weg stehen konnten).
Auch hier in Karlsruhe suchten wir uns eine Alternative, und nach flotten 1,5h Stunden waren die ersten zehn CD's schon weg. Maxis Freundin Johnny ist eine unkomplizierte, gesegnete Geigenspielerin, und so bereicherte sie auf der Geige einige Philadelphia-Songs durch Untermalungen und Soli-Passagen mit Bravour. Das tat sie auch die nächsten Tage, wenn sie nicht gerade die bellende Ronja besänftigen musste, die während des Spielens zwar seelenruhig neben Lenas Bass-Drum lag, aber den Klang des Kazoos, auf dem wir gelegentliche Soli blasen, lautstark kommentierte.
In Wiesbaden wurden wir sehr herzlich aufgenommen, und gleich am ersten Abend zog es uns in die Innenstadt. Gleich in der Nähe des Hessischen Landtags (ein schönes Eckhaus!) spielten wir vor einem Gasthaus in der Fußgängerzone, gleich gegenüber einer Metzgerei, wohin es uns auch in den folgenden Tagen verschlug. Wir hatten gehört, dass die Wiesbadener relativ "geldig" (gut bayerisch ausgedrückt) sein sollen und waren darum gespannt, wie sich das wohl äußern würde: Geizig waren sie auf keinen Fall, sehr nett sogar. Man merkte das Geld aber v.a. am Erscheinungsbild der Stadt: Der Brunnen auf dem ausladenden Platz vor dem eindrucksvollen Staatstheater und die prachtvolle Wilhelmstraße, die mich so ein bissl an die Champs-Élysées erinnerte.
In diesen Tage wollten wir nach dem Kennenlernen von Karlsruhe (Baden-Württemberg) und Wiesbaden (Hessen), wo wir unser ständiges Quartier aufgeschlagen hatten, wenigstens noch eine andere Stadt erkunden, und so fuhren wir ins nahgelegene Mainz (Rheinland-Pfalz). Mainz, so sagte man uns, sei bodenständiger, einfacher und eher eine Studentenstadt. Es gefiel uns dort, und wir spielten bei wunderbarem Wetter munter drauf los, der Dönerbuden-Besitzer gegenüber freute sich über unsere Musik und unseren Hunger ;-) und die Damen des Bekleidungsgeschäfts, neben dem wir uns postiert hatten, kauften uns eine CD ab und legte sie gleich ein, bis mal wieder unsere zuverlässigen Freunde von der Polizei ankamen.
Mainz ist also nett und bodenständig, aber bemerkenswert ist in jedem Fall, mit welch einer aberwitzigen Kreativität die Stadt Mainz Straßenmusik regelt: Die Innenstadt wurde extra in Spielzone 1 (SZ 1) und Spielzone 2 (SZ 2) eingeteilt (siehe Abbildung). Jetzt kommt's: In den Jahren mit gerader Endziffer (2006, 2008,...) ist Straßenmusik in der SZ 1 nur vormittags (11-13h), in der SZ 2 dagegen nur Nachmittags (16-18h) erlaubt, während es sich in den Jahren mit ungerader Endziffer (2007, 2009,...) genau umgekehrt verhält. Samstags darf man unabhängig von der Jahreszahl in SZ 1 und SZ 2 gleichermaßen immerhin zwei Stunden Musik machen (14-16h), Vormittags offenbar verboten. In den Sommermonaten jedes Schaltjahres darf man nur in der SZ 1 ausnahmsweise Nachmittags (15-17h) Maultrommel spielen. Nein, das war jetzt ein Scherz.

Wenn noch etwas unklar sein sollte, rufen sie doch bitte Herrn Lesle vom Rechts- und Ordnungsamt Mainz an, Tel: 06131 / 12-2477 (Mo-Fr, 8.30-12h). Ich denk' mal, er ist für beide Spielzonen zuständig.
Die fünf Tage vergingen wie im Flug, wir waren stolz, zum ersten mal unsere CD an das Publikum gebracht zu haben. Das Wetter hatte gehalten, was es gar nicht versprochen hatte. Wir waren rundum zufrieden und kehrten am Sonntag gut gelaunt in unsere musikalische Heimat Freiburg zurück.
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Slowenien-Tour
13.08.2007 bis 23.08.2007
Es
wurde Zeit, dass wir mal ein bisschen weiter herum kamen
als Italien oder die Schweiz. Und die Sommerferien boten
dazu die beste Gelegenheit. Nachdem wir also zehn Tage
lang zusammen mit ein paar Freunden den Boznermarkt in
unserem Heimatort Mittenwald mit mittelalterlichen Klängen
in Zigeunerkluft gerockt hatten, brachen wir übermüdet,
aber sehr erfüllt von dieser schönen Zeit mit
dem Zug nach Slowenien auf. Wir hatten schon viel gehört
von diesem kleinen Land und dessen außergewöhnlichen
Gastfreundschaft. Und wo es nette Leute gab, da ließ
sich in der Regel auch gut Straßenmusik machen.
Das
merkten wir bereits am ersten Abend nach unserer Ankunft
in Ljubljana. Noch lange bevor einer von uns den Namen
der Hauptstadt richtig aussprechen konnte, hatten wir
schon einen Platz zum übernachten. Matei und Nico,
zwei junge Slowenen, waren auf unsere Musik aufmerksam
geworden. Nachdem Matei den vor uns liegenden Zettel entziffert
hatte, auf welchem stand „we are looking for accomodation“,
zögerte er nicht, uns zu sich nach Hause einzuladen.
Nico, ein langer Dürrer mit viel zu großer
Pornosonnenbrille und Quacksalber sondersgleichen, bestand
darauf, von nun an unser Manager zu sein. Wenn er nicht
gerade nervte, war er ein netter und sympathischer Zeitgenosse
– und tatsächlich verdankten wir ihm noch so
einige schöne Stunden in Slowenien.
Gleich am nächsten Tag fuhren wir, nach einer idyllischen
Probe im Park, auf Nicos Anraten nach Kamnik, einem kleinen
Ort eine Stunde nördlich von Ljubljana, wo derzeit
ein Festival stattfand. Kamnik lag wunderschön in
sanfte Hügel gebettet und verzauberte uns von Anfang
an. Leider durften wir nicht auf der großen, im
Herzen Kamniks auf einer kleinen Anhöhe gelegenen
Bühne des Festivals spielen, sondern mussten uns
etwas anderes suchen; doch war der kleine Platz inmitten
der alten Gemäuer – so stimmten wir wenig später
überein – eigentlich auch viel schöner.

Nico
übersetzte unsere Ansagen ins Slovenische und wir
spielten bis in die Nacht hinein, bis wir von der Wirtin
des anliegenden Gasthauses zum Essen eingeladen wurden.
Anna und Tom, zwei Freunde von Nico, waren ebenfalls gekommen.
Sie wohnten nur ein paar Dörfer weiter, und weil
sie genügend Platz hatten und selbst viel gereist
waren, boten sie uns gerne an, bei ihnen zu übernachten.
Den
darauf folgenden Mittwoch verbrachten wir bei Anna und
Tom. Wir probten ein neues Stück, den Träumer,
und genossen die herzliche Gastfreundschaft, den strahlenden
Sonnenschein und die traumhafte Umgebung. Erst Abends
fuhren wir wieder nach Kamnik – Tom meinte, es sei
ihm eine Ehre uns rumchauffieren zu dürfen –
um nochmals Straßenmusik zu machen. Am nächsten
Morgen sollte es ans Meer gehen, nach Piran, wovon jeder
so geschwärmt hatte. Weil wir frühzeitig aufbrechen
wollten, verbrachten wir die Nacht in einem der Festivalzelte,
gleich in der Nähe des Bahnhofs.
Nico
hatte alles gut organisiert, er nahm seinen neuen Job
offensichtlich ernster als gedacht. Leider überließ
er die Organisation des Aufweckens uns selbst, weswegen
dieser Teil der Reise ordentlich in die Hose ging. Wir
verschliefen nicht nur den geplanten ersten Zug, sondern
auch noch den zweiten und dritten, bevor wir uns endlich
in eher mittelmäßigen Stimmung auf dem Weg
Richtung Süden befanden.
Piran
war tatsächlich wie geschaffen für uns. Die
zahlreichen kleine Plätze und Gassen des Küstenstädtchens
eigneten sich hervorragend zum musizieren, die gutgelaunten
Urlauber hier taten ihr Übriges. Nach einem chilligen
Nachmittag am Strand mit Eis, Badehose und Buch, hiess
es mal wieder Quartiersuche. Diesmal war es ein älteres
Ehepaar aus der Bretagne, denen wir ein Dach über
unseren Köpfen verdankten. Ihre Ferienwohnung befand
sich genau gegenüber des Platzes, an welchem wir
gespielt hatte, mitten in Pirans Altstadt. Wie ihre eigenen
Kinder hatten sie uns in den wenigen Stunden unserer Begegnung
ins Herz geschlossen, was unseren Abschied am nächsten
Morgen nicht erleichterte.
Wir
entschlossen uns für einen weiteren Probentag, den
wir, aus Mangel an entsprechenden Räumlichkeiten,
im Freien vor einer Klosterkirche abhielten. Wir knöpften
uns die Bridge von „Home Tonight“ vor, bei
der es vor allem beim Timing noch jede Menge zu feilen
gab. So gut es ging versuchten wir die Zuhörer bei
unserer öffentlichen Probe zu ignorieren, was uns
nicht immer gelang – anstatt zu proben verwickelten
wir uns die meiste Zeit in Gespräche mit neugierigen
Passanten. Darunter befand sich auch ein junger Freiburger
mit seiner Freundin, den wir seitdem auch wieder in unserer
neuen Heimat in Baden-Württemberg getroffen haben.
Wie klein die Welt doch ist!
Diese
Nacht wurde mit Abstand die abenteuerlichste unserer Reise.
Am meisten galt das für Lena, was daran lag, dass
sie draußen im Freien, zusammen mit elf jungen Männern
übernachtete, und das zu allem Überfluss auch
noch vor einer Kirche. Das zwei davon ihre Brüder
waren, entschärfte die Situation allerdings. Die
anderen neun waren ehemalige Pfadfinder aus Frankreich,
die ihren Urlaub in Slowenien verbrachten. Wir verstanden
uns glänzend, auch wenn die Kommunikation mit ihnen
ungleich schwerer fiel als mit den Slovenen. Nur zwei
von ihnen schienen sich im Englischen einigermaßen
wohl zu fühlen, die anderen brachten nur schwerfällig
holprige Sätze hervor, was man von Slovenen, vor
allem bei den jüngeren, wirklich nicht behaupten
kann. Da hatten eher wir Probleme, mithalten zu können.
Am
fünften Tag unserer Tour verließen wir Piran.
Wir machten uns auf den Weg zu den sagenumwobenen Höhlen
von Skocjan, die alleine schon eine Reise wert gewesen
wären. Heute noch ärgern wir uns, dass wir uns
nicht getraut hatten, ein Lied anzustimmen, um die einzigartige
Akustik in diesen gigantischen Höhlen auszunutzen;
doch das ließ die Ehrfurcht vor diesen jahrtausende
alten stummen Zeugen der Erdgeschichte nicht zu.
Wir holten das jedoch nach, als wir bei der Rückfahrt
von den Höhlen zum Bahnhof an einem alten Brunnen
vorbei kamen.
In
einem kleinen Dorf, vor einer alten, verfallenen Kirche
stand er: Er wirkte einsam und verlassen, bis wir den
ersten Ton hineinsungen. Der Brunnen hatte einen Nachhall,
genau wie man ihn für Lieder wie „That lonesome
road“ oder „Irish blessing“ braucht.
Es war ein schönes Gefühl, den Grund des alten
Brunnens mit Gesang zu erfüllen. Als der letzte Ton
verklungen war, hörten wir hinter uns ein leises
Klatschen. Ein alte, runzlige Dame hatte gelauscht und
stand, ihren großen Eimer vor sich gestellt, mit
glänzenden Augen da und applaudierte nickend.
Wir
stiegen wieder in der Zug, diesmal allerdings ohne der
geringsten Ahnung wohin. Wir diskutierten eine Zeit lang,
doch als der Schaffner kam, mussten wir uns entscheiden.
Wie alle Entscheidungen, wurde auch diese demokratisch,
durch eine zweidrittel Mehrheit zugunsten des kleinen
Dorfes Rakek gefällt. Was wir dort wollten, wussten
wir nicht – der Schaffner und die Passagiere die
wir fragten sagten jedenfalls, dass es dort nicht viel
gäbe; doch fanden wir es einfach mal interessant
zu sehen, was passiert, wenn man irgendwo ausstieg.
Das Ergebnis dieses Versuchs war, dass wir erst spontan
als Vorband bei einer kleinen OpenAir Veranstaltung spielen
durften und später auf einem Festival in der nahe
gelegenen Stadt Postojna.
Ein
Gast des OpenAirs hatte und davon erzählte und uns
auch gleich dorthin gefahren. Bei dem Jungendclub, der
das Festival mitorganisierte, durften wir zwei Nächte
schlafen und hatten zugleich einen perfekten Raum für
einen Probentag. Außerdem durften wir an diesem
Sonntag das erste Mal in der Philadelphiageschichte auf
einer richtigen Bühne spielen. Der Auftritt wurde
auch dementsprechend schlecht. Wir schafften es tatsächlich,
den Platz leer zu spielen. Alles, was nach sieben Minuten
„All I want is you“ noch anwesend war, bestand
aus ein paar leeren Plastiktüten, die der Wind über
den leeren Zuschauerraum fegte, ein oder zwei Katzen auf
ihren nächtlichen Streifzügen, und unsere zwei
Tontechniker, die inzwischen aufgegeben hatten uns Mut
zu machen. Doch immerhin hatten wir unseren ersten verstärkten
Auftritt auf einer Bühne ...
Eine
Woche reisten wir mittlerweile durch Slowenien und kehrten
nun am diesem siebten Tag wieder zurück zum Ausgangspunkt:
Ljubljana. Johanna, die Freundin von Max, traf heute auf
Philadelphia, nachdem sie einige Tage mit einer Freundin
in Kroatien verbracht hatte. Sie war am Tag davor ausgeraubt
worden und hatte nicht mal mehr Schuhe bei sich, was sie
sich jedoch nicht anmerken liess. Quietschfidel schloss
sie sich der Gruppe an, womit es ab sofort also zu viert
weiter ging.
Nach einer sensationellen Straßenmusiksession übernachteten
wir im Haus einer Pfadfindergruppe, dann verließen
wir noch ein letztes Mal die Hauptstadt, um Maribor, die
zweitgrößte Stadt Sloweniens zu besuchen.
Außer,
dass wir wieder nette Menschen trafen die uns aufnahmen,
wir wieder die Straßen mit Musik füllten und
wieder mal herrliches Wetter war, bleibt noch zu erwähnen,
dass wir eine Stadtführung mitmachten, bei der wir
eine Führerin nur für uns vier alleine hatten
und wir den ältesten Weinstock der Welt zu Gesicht
bekamen. Zurück in Ljubljana übernachteten wir
nochmals im Pfadfinderhaus, bevor wir die Rückreise
nach Deutschland antraten. So schwer es fiel dieses wunderschöne
Land mit seinen zuvorkommenden, freundlichen Menschen
zurückzulassen, so sehr blickten wir bereits nach
vorne auf unser neues Leben, welches uns in Deutschland
erwartete. In wenigen Wochen, das wussten wir, werden
wir nach Freiburg ziehen, um dort endlich unseren gemeinsamen
Traum zu leben ...

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Italien-Reise
Dezember 2006 bis Januar 2007
Vollbepackt,
mal ausnahmsweise mit einem Auto unterwegs, sind wir am
31. Dezember los Richtung Süden. Normalerweise ja
nicht die Zeit, in der man nach Italien fährt, aber
jeder gewonnene Grad ist eine Verbesserung.
Die
ungewohnte Situation, die das Auto mit sich bringt (siehe
Berichte Slowenien) macht uns vergnügt, wir hocken
alle drei vorne, ich (Lena) mit den kürzesten Beinen
in der Mitte, eingequetscht zwischen meinen Brüdern.
Wir singen, planen, schlafen, essen, trinken, wechseln
die Fahrer (Lena nicht, hat keinen Führerschein),
und das bis zum Brenner. Dann sind wir an der Grenze und
dort stellt sich schon langsam das Gefühl ein: „Wir
sind in Italien, Juhuu!!!“
Bardolino:
Kurz
vor dem Gardasee beschließen wir, nach Bardolino
zu fahren und dort das erste mal Straßenmusik zu
machen. In Italien muss man, wenn man von den Autobahnen
runterfährt, die gefahrene Strecke bezahlen. Wieso
wundert es mich nicht, dass meine Brüder keinen Cent
dabei haben? Ich hatte auch in keinster Weise daran gedacht,
genug Geld mitzunehmen. „Für was denn? Wir
machen doch Straßenmusik.“ Ich krame also
gerade noch mein letztes Kleingeld raus und Gott sei Dank
reicht das noch. So können wir jetzt weg von der
Autobahn, nach Bardolino rein.
Dort
spielen wir, leider sind nicht so viele Leute unterwegs,
und ehrlich gesagt, spielen wir ziemlich schlecht. Wir
sehen's mal als Übung für die nächste Woche.
Nach ca. einer Stunde packen wir wieder zusammen („Schnell
weg hier!“). Aber wir haben ungefähr 40 Euro
eingenommen. Immerhin können wir jetzt weiter die
Autobahn benutzen.
La
Spezia:
An
dem Abend kommen wir noch nach La Spezia. Dort stellen
wir das Auto ab und erkunden erst mal die Innenstadt nach
guten „Spielplätzen“. Leider waren die
Italiener eher auf Silvesterfeiern, als einer kleinen
Geschwister-Gruppe beim musizieren zuzuhören. Es
knallt überall, viele betrunkene Menschen unterwegs
und zu allem Überfluss fängt es dann auch noch
zum Regnen an.
Irgendwann
haben wir genug und wir stapfen wieder Richtung Auto.
Auf dem Weg finden wir ein kleines „Restaurant“,
eher ein Bistro. Wir beschließen, dort reinzugehen.
Die Besitzer sind ein italienisches, Cowboy-fanatisches,
älteres Ehepaar. Beide mit Cowboyhut ausgestattet,
begrüßen sie uns sehr nett. Das Lokal war,
vorsichtig gesagt, vollgestopft mit Western-Sachen, wie
u.a. „Steckbriefen“ von Billy the Kid, usw
... Und alles im Western-Stil in Holz gehalten.
Die
beiden sind wirklich nett, zu unserem Essen sorgen sie
immer dafür, dass unsere Gläser nicht leer sind.
Wir feiern mit ihnen um 0O:00 Uhr rein und stoßen
mit Sekt auf das neue Jahr 2007 an. Wenn wir gewusst hätten,
was noch alles auf uns zukommt, wir hätten es nicht
geglaubt. Wir spielen noch für sie unser gesamtes
Repertoir, so haben wir an dem Abend doch noch dankbare
Zuhörer gefunden. Das war ein wirklich gelungener
Start ins neue Jahr.
01.01.2007
- Pisa:
Neujahr!
Nach unserer ersten, kuschlig engen Nacht im Auto (wir
haben alle ein bisschen zusammengeknauscht ausgesehen)
fahren wir gleich weiter die Küste entlang. Die Entscheidung
unserer nächsten Station fiel auf Pisa. Es regnet
immer noch und die Stimmung ist ein bisschen gedrückt.
Als wir in Pisa ankommen, regnet es noch mehr.
Wir
parken das Auto in einer Seitenstraße und suchen
erst mal ein Lokal, in dem wir frühstücken,
oder wahlweise Mittag essen können. Es ist ca. 13.00
Uhr, und es hat nichts offen. Wir laufen durch die Straßen
und suchen verzweifelt. Denn der Hunger wird immer drückender
und die Stimmung immer schlechter. Nach einer Weile geben
wir es auf und kehren zum Auto zurück und essen dort
ein paar unserer Reserven, die wir mitgenommen haben.
Es regnet immer noch.
Danach
beschließen wir, uns ins Auto zu setzen und zu proben.
Unsere Stimmproben sind immer sehr intensiv, und daher
auch manchmal nervenaufreibend. Irgendwann hören
wir genervt auf und fahren weiter. Und, man sollte es
eigentlich gar nicht zugeben, ohne den schiefen Turm gesehen
zu haben. Wir schworen uns, es niemandem zu erzählen.
Siena:
Wir
kommen in Siena an. Das ist uns schon ein wenig bekannt,
da wir schon durch einigen anderen Chor-Musik-Reisen hier
waren und auch schon Straßenmusik gemacht haben.
Und auch gute Erinnerungen haben. Das Auto stellen wir
außerhalb der wunderschönen Stadtmauer ab,
schultern (im Fall von Lena) unsere Instrumente und gehen
Richtung Altstadt. Das Wetter ist wieder gut und wir sind
guten Mutes. Und es sind richtig viele Touristen unterwegs,
alles potenzielle Zuhörer.
Wir
laufen durch die Innenstadt und meine Brüder wollen
erst mal noch mal proben. Dafür suchen wir einen
ruhigen Platz abseits des Trubels, um auch in Ruhe etwas
spielen zu können. Da finden wir einen kleinen Platz,
der zum Teil überdacht ist, in einer kleinen Seitenstraße.
Dort stellen wir erst mal unsere Sachen ab und spielen
unsere Sachen durch.
Nach
einer Weile beschließen wir dann, endlich Straßenmusik
zu machen. Es gibt einen guten Platz auf einer kleinen
Piazza (nicht die ganz große), der für uns
perfekt scheint. Und tatsächlich: das Spielen macht
unglaublich Spaß, die Leute blieben stehen, spenden
Geld. Es ist super. Wir machen zum ersten mal in Italien
richtig Straßenmusik.
Nachdem
wir eine Zeit lang gespielt haben, haben wir richtig Hunger
und gehen in ein kleines Restaurant. Dort lassen wir es
uns richtig gut gehen und essen und trinken bis wir nicht
mehr können. Nur haben wir irgendwie nicht an die
Preise gedacht. Im Endeffekt war es so, dass die Rechnung
ca. 3/4 unseres gerade eingespielten Geldes verschlungen
hat. Wir können es nicht glauben und glauben erst
an einen Fehler des Restaurants, aber nach einem kurzem
Check der Rechnung, müssen wir uns eingestehen, dass
wir alle drei Vielfräße sind.
An
dem Abend fahren wir noch nach Castell del piano, um dort
einen Bekannten von Lugi zu besuchen, der ihn mal in Innsbruck
per Anhalter mitgenommen hat. Alessandro und sein Bruder
haben dort eine Holzwerkstatt und Lugi hat sich vorgenommen,
ihn zu besuchen. Doch leider treffen wir ihn an dem Abend
nicht mehr an und wir stellen das Auto auf einen Parkplatz
und schlafen recht schnell ein. Das war wirklich ein ereignisreicher
Tag!
Castell del piano:
Nach
einer Katzenwäsche fahren wir wieder zu der Werkstatt
von Alessandro, wo wir ihn endlich antreffen. Er ist ein
sehr ruhiger Typ, und wir wissen erst nicht so genau,
ob er sich auch wirklich freut, uns zu sehen. Danach lädt
er uns zu sich und seiner Familie zum Essen ein. Die Kommunikation
war erst recht schwierig, da er kein Englisch spricht.
Aber Lugi kann ein paar Sätze, auch durch seine guten
Latein-Kenntnisse.
Bei
ihm zu Hause werden wir wärmstens von seiner Frau
und seiner Tochter begrüßt und es gibt Garnelen.
Es stellt sich raus, dass seine Frau aus Südamerika
ist und Maxi und ich können freudig unser Spanisch
auspacken. Plötzlich ist Lugi der einzige, der sich
nicht mehr unterhalten kann. Es ist ein Gemisch aus Italienisch,
Spanisch und Englisch. Danach sitzen wir noch lange zusammen,
und nachdem wir alle dort noch duschen konnten, fühlen
wir uns wie im siebten Himmel.
Wir
wollen auch noch spielen, doch leider ist Castell del
piano kein großer Ort, also es ist nichts los. Doch
ein Freund von Alessandro, den wir auch noch kennenlernen,
nimmt das spontan in die Hand, schleppt uns in einen kleinen
Pub im Ort, stellt uns dem Besitzer vor und lässt
einen langen rasanten Schwall Italienisch los. Danach
schaut uns der Besitzer an und sagt auch etwas zu ihm.
Wir kapieren gar nichts. Danach stellt sich heraus, dass
er gerade in dem Pub für uns ein Konzert organisiert
hat. Wir sollen ihm alles überlassen. Na ja, wir
dachten, da kommen halt ein paar Freunde von ihnen. Wir
warten in dem Pub, essen und trinken was und proben auch
noch etwas. Nach knapp einer Stunde füllt es sich
merklich und dann ist es voll. Wir können es nicht
fassen. Die Freundin von (Tom?) hat auch noch schnell
Plakate verfasst und aufgehängt. Unglaublich! Sie
haben alle aus dem Ort eingeladen, einschließlich
der deutschen Fraktion. Als wir anfangen zu spielen ist
es mucksmäuschenstill, alle hören unseren Liedern
aufmerksam zu und applaudieren begeistert, wenn es zu
Ende ist. Ein besseres Publikum gibt es nicht.
Danach lernen wir Inge und Michael kennen. Sie haben sich
vor Jahren in die Toskana abgesetzt und halten dort einen
Hof. Sie sind sehr nett und nach einer Weile bieten sie
uns an, bei ihnen zu übernachten. Wir können
unser Glück irgendwie nicht fassen. Aber wir nehmen
dankend an.
Der Hof entpuppt sich als eine wunderschöne kleine
Oase, mit zwei frechen Hunden, Schafen, Pferden und Olivenhainen.
Die zwei zeigen uns unsere Unterkunft, es ist eine Ferienwohnung
mit seperatem Eingang und Bad. Diese Nacht schlafen wir
alle drei mit einem Lächeln auf den Lippen ein.
Am nächsten Tag haben wir ein tolles Frühstück
und danach proben wir in der warmen toskanischen Sonne
im T-Shirt (Es ist Januar!!!!) auf der Terrasse. Am Nachmittag
fahren wir noch mal in den Ort rein und spielen auf der
Straße. Es ist Markt und deswegen sind auch erstaunlich
viele Menschen unterwegs.
Wir bleiben auch noch diese Nacht bei ihnen und am nächsten
Morgen brechen wir auf. Der Abschied von diesen wunderbaren
Menschen fällt uns schwer und wir versprechen, bald
wieder mal zu kommen.
Certaldo:
On
the road again!!!! Gut gelaunt, voller schöner Erinnerungen
und neuer Freundschaften ist unser nächstes Ziel
Certaldo, südlich von Siena. Dort wohnt Nico, wiederum
ein Bekannter von Max, den er in Tibet kennengelernt hat.
Als wir ankommen, treffen wir ihn gleich an und er freut
sich sehr, uns zu sehen. Er und seine Freundin nehmen
uns gleich gastfreundlich auf. An diesem Abend sitzen
wir noch lange zusammen, essen, trinken Wein (was wir
hier in Italien fast ausschließlich tun) und unterhalten
uns gut. Auch hier haben wir bei den beiden im Keller
eine wunderbare Schlafgelegenheit.
Am
nächsten Tag frühstücken wir zusammen und
dann merke ich (Lena), dass es mir nicht gut geht. Irgendwas
ist mit meinem Magen nicht in Ordnung. Irgendwann ist
es so schlimm, dass ich mich wieder hinlegen muss. Ich
sag nur so viel, dass kein Essen drin blieb und ich die
nächsten zwei Tage bei Nico im Keller flach lag,
während meine Brüder rausgegangen sind. Leider
konnten wir natürlich auch deswegen keine Musik machen.
So ging dann auch diese Tour zu Ende, da wir den nächsten
Tag zum Abfahrt geplant hatten. Die Heimfahrt habe ich
größtenteils hinten im Auto verbracht, in ständiger
Angst, dass ich wieder irgendwas „von mir lassen
muss“, doch alles ging gut und wir sind gut zu Hause
angekommen. Trotz dem unschönen Ende, war es doch
im Großen und Ganzen eine wunderschöne Zeit,
in der wir Freundschaften geschlossen haben, neue Städte
gesehen haben, Musik gemacht haben, gut gegessen und getrunken
haben und uns (meistens) gut verstanden haben.
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